

Psalm 100, Psalm 103
Heinrich Schütz (1585 - 1672) gilt als der bedeutendste deutsche Komponist des Frühbarocks. Schütz führte den neuen, aus Italien stammenden konzertierenden Stil mit obligatem Generalbass in Deutschland ein und vereinigte ihn mit der deutschen Bibelprosa. Seine meisterhafte „Übersetzung" deutscher Texte in Musik - hier konnte Schütz auf seine Erfahrungen mit dem italienischen Madrigal zurückgreifen - hat seit jeher sein Publikum fasziniert. Neben der Bibelprosa genossen die Psalmen eine besondere Bevorzugung, deren zwei, den 100. und 103. Psalm heute erklingen. Gerade die Verschmelzung beider Stile, die Arbeit mit Elementen des Konzerts ebenso wie mit solchen aus Motette und Madrigal, dabei der virtuose Umgang mit den Vokalstimmen ebenso wie mit den obligaten Instrumenten und die variable Handhabung unterschiedlichster Besetzungen (vom einstimmigen kleinen Konzert bis zu mehrchörigen, klangvollen Werken) zählen zu den besonderen Leistungen des Komponisten, die schon seine Zeitgenossen anerkannten.
Die Kompositionen waren für die Gottesdienstliche Verwendung während der ersten Amtsjahre in Dresden bestimmt. An Hand von Hoftagebüchern, Berichten, Protokollen, Drucken und anderen zeitgenössischen Zeugnissen kann man den liturgischen Einsatz für eine Reihe von Psalmen nachweisen. So erklang Psalm 2 Warum toben die Heiden am 4. Sonntag im Advent und zu Weihnachten, Psalm 111 Ich danke dem Herren von ganzem Herzen, im Rat der Frommen am Gründonnerstag und als Abendmahlsmusik, Psalm 150 an Neujahr und als allgemeiner Dankpsalm. Ganz besonders beliebt war Psalm 100, der häufig als allgemein rühmendes Lob anzutreffen ist.
Die vielfältige "Ausdrucksskala der Psalmen reicht von der verhaltenen Klage über mannigfache ernste und fröhliche Stimmungslagen bis zu derart triumphalem "Lärmen" von archaischer Vehemenz. Und diese Musiksprache, nunmehr über 370 Jahre alt, ist heute noch verständlich.